HIP-HOP MEETS KLASSIK von 8 bis 88

EINSHOCH6 vereinen, was vermeintlich nicht zusammengehört: Hip-Hop und Klassik. Ihre Konzerte regen zum Bewegen an, ihre Energie steckt an, und das Publikum lässt los. Zu ihrem 20-jährigen Bandgeburtstag kommen sie – nach coronabedingtem Stillstand – nach Winterthur und
nehmen mit ihrem Programm «Die Stadt springt» zusammen mit dem Musikkollegium die Fahrt wieder auf. Stellvertretend für die neunköpfige Gruppe geben Jakob Haas, Michie Hahn und Amadeus Hiller einen Einblick in ihre Arbeit.

Interview von Lisa Schön

Hallo EINSHOCH6! Euer Bandname ist untertitelt mit «Upcycling Klassik meets Urban Hiphop». Warum Upcycling?

Amadeus Hiller: Das war ein Zeitgeist, in dem wir so jetzt nicht mehr sprechen würden. Es ist schlicht «Hip-Hop trifft Klassik».
Michie Hahn: Die Bezeichnung ist mit der Zeit gegangen, so wie sich auch die Hip-Hop Szene verändert hat. Vor 15 Jahren war das ein anderes
Genre, das auf Klassik traf. Hip-Hop hat seit seinem Aufkommen einen riesigen Stellenwert – auch wir verwenden Hip-Hop-Elemente, die heute in der Popmusik normal sind. Wir rappen zwar nicht ganz so viel, aber die Bühnenattitüde ist die eines Hip-Hop-Konzerts. Quasi alles, was Spass macht, trifft auf Klassik.

In einem Interview sagte der Dirigent Scott Lawton über euch: «Das ist komplett barrierefreie Musik». Würdet ihr das auch sagen?

Jakob Haas: Es gibt ja diesen schönen Spruch: «Von 8 bis 88». Damit kokettieren wir ganz gerne. Dadurch, dass wir ein Hip-Hop-Konzert mit einem Orchester im klassischen Konzertsaal spielen, erreichen wir eine grosse Bandbreite an Publikum. Berührungsängste von klassischen Konzertgänger*innen gegenüber Bands werden abgebaut und junge Leute kommen ins Konzert, die sich sonst nicht trauen würden. Wir merken, wieviele verschiedene Leute unsere Lust an so einer musikalischen Grenzerfahrung mitreissen kann.
Amadeus Hiller: Das ist allerdings kein Markenkonzept, sondern etwas, das wir so auch leben. Ich gehe in ein klassisches Konzert, ich gehe aber auch zu Eros Ramazzotti. Musik muss einfach gut sein und sie muss berühren, egal, welche Stilrichtung sie hat.

Wie überträgt sich eure Energie auf das Publikum?

Michie Hahn: In dem Moment, in dem wir die Bühne betreten, fiebern wir schon der Livemusik entgegen. Es ist aber immer unterschiedlich, wie sich die Beziehung zwischen uns und dem Publikum aufbaut. Ich habe noch kein EINSHOCH6-Konzert erlebt, bei dem das Publikum am Ende nicht getanzt hat.

Jakob Haas: Entscheidend ist, was wir auf der Bühne vorleben. Wir begegnen dem Orchester als Band auf Augenhöhe und mit viel gegenseitigem Respekt. Das ist die Basis dafür, dass die Energie auch das Publikum ansteckt.

Ihr widmet euch als Band auch immer wieder der politischen Bildungsarbeit. In Projekten wie «Pack es an!» (2017) positioniert ihr euch gegen Vorur- teile und Rassismus oder unterstützt Deutschlernen als Fremdsprache als Teil der Munich Supercrew. Warum ist es euch nicht genug, einfach nur Musik zu machen?

Amadeus Hiller: Musik kann wunderbar Inhalte vermitteln, egal ob politischer oder didaktischer Natur. Musik ist für mich viel mehr als nur auf der Bühne zu stehen.
Michie Hahn: Musik selbst kann schon eine bestimmte Richtung vorgeben. Fügt man dann einen emotionalen oder politischen Text hinzu, bekommt dieser eine enorme Tragkraft. Ich glaube, dass es eine grosse Verantwortung ist, sich textlich für eine bestimmte Richtung zu entscheiden. Häufig hören Leute Musik, ohne sich mit dem Text zu beschäftigen. Da finde ich es wichtig, Stellung zu beziehen.

Danke! Noch eine Frage zum Schluss: Worauf freut ihr euch am meisten in diesem Jahr?

Michie Hahn: Ich freue mich tatsächlich mit am meisten darauf, nach Winterthur zu fahren.
Jakob Haas: Ich freue mich auch sehr auf dieses Konzert. Das wird nach Corona unser erstes grosses Orchesterprojekt.
Amadeus Hiller: Darüber hinaus haben wir dieses Jahr unseren 20-jährigen Geburtstag. Das ist sehr emotional. Ich hoffe, wir haben Zeit, das ein bisschen zu feiern!

HÖRENSWERT
Als Einstimmung auf «Die Stadt springt» haben die Bandmitglieder von EINSHOCH6 eine Playlist kuratiert – von Klassik über Hip-Hop bis hin zu Progressive Rock und Indie. Hier verraten sie uns die spannendste Newcomerin der Hip-Hop-Szene, wo sie Inspiration zum Liederschreiben finden und erzählen über gute Musik abseits des Mainstreams. Die Playlist zum Anhören auf Spotify.

DIE STADT SPRINGT
SA 01. JUL, 20.30 UHR

Musikkollegium Winterthur
Gregor A. Mayrhofer Leitung
EINSHOCH6 Hip-Hop-Band

Hector Berlioz «Marche au supplice» aus Symphonie fantastique, op. 14
Igor Strawinsky «Danse infernale» aus «Der Feuervogel»
Georges Bizet «Farandole» aus der «Arlésienne»-Suite Nr. 2

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