Yulianna Avdeeva
Do 22.Okt 2026 19.30Hätten wir doch auch Orchestermusik von ihr! Eine Ouvertüre, ein paar Kantaten, wundervolle …
Hätten wir doch auch Orchestermusik von ihr! Eine Ouvertüre, ein paar Kantaten, wundervolle Kammermusik und eine grosse Zahl an Liedern und Klaviersachen hat Fanny Hensel hinterlassen. Aber als sie mit vierzig Jahren, unterstützt von ihrem Mann Wilhelm Hensel (und entgegen den Vorbehalten ihres Bruders Felix Mendelssohn), endlich auch als «öffentliche» Komponistin mit gedruckten Werken hervorzutreten begann, hatte sie nur noch ein gutes Jahr zu leben. Eine Sinfonie von Fanny Hensel wird es darum nie geben. Dafür hat der Komponist Detlev Glanert jetzt ihren grossen Klavierzyklus «Das Jahr» orchestriert. Das ist keine leichte Aufgabe, schrieb doch die zu ihrer Zeit viel gerühmte Pianistin einen filigranen, transparenten, virtuosen Klaviersatz. Die zwölf Monats-Stücke und das nachdenkliche Nachspiel verbinden Stimmungen, Landschaftseindrücke und Choräle zu einem grossen poetischen Ganzen. Oft wurde vermutet, dass die Italienreise, die Hensel zwei Jahre zuvor mit ihrem Mann und dem neun Jahre alten Sohn unternommen hatte, hier entscheidende Inspiration bot.
Falls auch Béla Bartók sich in seinem ersten Klavierkonzert von einer Landschaft inspirieren hat lassen, muss dies eine recht fantastische Nachtlandschaft gewesen sein: Schroff und pulsierend, mit einem Klavier, das am liebsten zu den Schlaginstrumenten gehörte, dann wieder betörend sinnlich und geheimnisvoll leuchtend. Ein einfallsreiches, verblüffendes Stück, das in den hundert Jahren seit seiner Entstehung nichts an Kraft verloren hat. Ja, im Gegensatz zu Fanny Hensel konnte sich Béla Bartók lustvoll als «enfant terrible» austoben. Die Pianistin Yulianna Avdeeva, seit dem Gewinn des Chopin-Wettbewerbs 2010 international in der allerersten Klavier-Liga etabliert, wird alle Bartók-Facetten auffunkeln lassen.