Aus meinem Leben
So 06.Sep 2026 17.00Spätestens seit Beethoven gilt die Sinfonie als die grosse, öffentliche Gattung. Das …
Sie benötigen nur vier Musizierende, bieten aber mehr klangliche Vielfalt als Solo-Klaviermusik, und mit den Werken von Haydn und Mozart standen mustergültige Vorbilder bereit: Streichquartette waren im Wien des frühen 19. Jahrhunderts en vogue. Auch im Hause Schubert wurden regelmässig quartettiert, und die Gattung gehörte selbstverständlich zu seiner kompositorischen Ausbildung. Zwischen 1810 und 1816 schreib er elf Quartette. Wirklich bekannt wurden allerdings erst die 1824 entstandenen Werke «Rosamunde» und «Der Tod und das Mädchen», doch schon vier Jahre zuvor versuchte sich Schubert an einem anspruchsvolleren Beitrag. Warum er dieses c-Moll-Quartett nie vollendet hat, bleibt ein Rätsel und ist umso bedauerlicher, kündigt sich im sogenannten «Quartettsatz» doch erstmals jene existenzielle Dramatik an, die den späten Schubert prägen sollte.
Auch Johannes Brahms rang lange mit der Gattung. Rund zwanzig Quartette vernichtete er eigenen Angaben zufolge, bevor er 1873 sein erstes Opus mit zwei Quartetten publizierte. Sein Respekt vor dieser Gattung, Schumann nannte sie «verschleierte Sinfonien», ist unverkennbar. Häufiger wandte sich Brahms daher der Kammermusik mit Klavier zu oder schrieb für grössere Besetzungen wie in seinen beiden Streichsextetten. Trotz dieser grösseren Besetzung ist gerade das zweite Streichquartett (1864/65) Kammermusik im besten Sinne: Der fein abgestufte Klang wird kontrapunktisch aufgelockert, die dichten Strukturen bleiben stets transparent. Im originellen Poco Adagio löst sich die Melodie erst allmählich aus dem Geflecht der Stimmen, während das Finale Themen und Motive zu einem geistreichen Vexierspiel verknüpft – ganz auf der Höhe der grossen Kammermusiktradition von Mozart und Haydn.