Heimat Kiew
So 21.Jun 2026 14.00Eine Stadt wird erst dann zur Heimat, wenn sie eine eigenständige Kultur besitzt und zelebrieren …
Musik mit nationalistischem Kolorit lag im 19. und 20. Jahrhundert im Trend. Komponisten wie Edvard Grieg, Jean Sibelius, Antonín Dvořák und Ralph Vaughan Williams griffen dafür auf Stoffe und Musik aus der Volkskultur zurück. Benjamin Britten fand seinen eigenen Weg, nationale Identität musikalisch auszudrücken, indem er sich intensiv mit dem Werk Henry Purcells auseinandersetzte und daraus seine Inspiration schöpfte; das bekannteste Beispiel sind wohl die Variationen über ein Thema von Purcell unter dem Titel «Young Person’s Guide to the Orchestra». Pünktlich zum 250. Todestag Henry Purcells am 21. November 1945 kam Benjamin Brittens Streichquartett Nr. 2 zur Uraufführung, das mit zahlreichen Referenzen zu Purcell aufwartet. Am deutlichsten ist dies im dritten Satz, überschrieben mit «Chacony». Sein Hauptmotiv, das in 21 Variationen und vier Sektionen zunächst harmonisch, dann rhythmisch, melodisch und schliesslich formal beleuchtet und umgewandelt wird, beruht auf Purcells berühmter Chaconne in g-Moll, welche die für englische Streichermusik damals typischen «Süssen» Dissonanzen auf die Spitze trieb. Britten selbst arrangierte dieses Werk 1955 für Streichorchester. Das Winterthurer Streichquartett stellt beide «Chaconys», das von Britten arrangierte Original sowie seine Hommage im Streichquartett, gegenüber. Dazwischen erklingt Haydns Streichquartett op. 54/2. Dieses entstand zwar gut drei Jahre vor seiner ersten Reise nach London, passt aber mit seiner experimentellen, zahlreiche Konventionen sprengenden Form ausgezeichnet ins Programm.