Heimat Kiew
So 21.Jun 2026 14.00Eine Stadt wird erst dann zur Heimat, wenn sie eine eigenständige Kultur besitzt und zelebrieren …
Das Winterthurer Streichquartett bekommt Verstärkung! Das Ensemble, bestehend aus den vier Stimmführern der Violinen, Bratschen und Celli, wird verdoppelt: Es entsteht die Oktett-Besetzung, die vor allem durch das berühmte Opus 20 des 16-jährigen Felix Mendelssohn aus dem Jahr 1825 bekannt wurde. Nur drei Jahre älter war Georges Enescu, als er im Jahr 1900 sein nicht minder monumentales Streichoktett vollendete. Die vier Sätze, deren Motive zyklisch angelegt sind, gehen unmittelbar ineinander über und bilden so einen einzigen grossen Satz – eine Form die in Paris, wo Enescu einen grossen Teil seines Lebens verbrachte, nicht unüblich war. Wie Schönbergs ein Jahr zuvor komponiertes Sextett «Verklärte Nacht» steht das Oktett auf der Schwelle zwischen Romantik und Moderne, ist aber deutlich stärker dem klassischen Kontrapunkt verpflichtet. Ob dieser durchgehend polyphonen Anlage ist es nicht verwunderlich, dass Enescu an diesem Werk gut eineinhalb Jahre arbeitete. Wer das Stück nicht kennt, muss es zumindest einmal im Leben gehört haben. Richtig erschliessen will es sich allerdings erst beim mehrmaligen Anhören. Was für eine glückliche Fügung also, dass das Oktett auch Abonnementskonzert am 21./22. April erklingt, dann in chorischer Besetzung!
Ähnlich lange dauerte Mozarts Arbeit an seinen drei «Preussischen» Quartetten. Als die Reise zum Hof des Königs Friedrich Wilhelm II. in Potsdam ohne Konzert-Engagements endete, hoffte Mozart, dem cellospielenden Monarchen immerhin durch Quartette imponieren zu können. Das erste Streichquartett, mit entsprechend dankbaren Soli für das Cello, konnte er bereits im Juni 1789 vollenden. Doch zurück in Wien plagten ihn wieder Geldsorgen; die «mühsame Arbeit» an den zwei weiteren Quartetten zog sich bis in den Sommer des Folgejahrs hin. Ihren Zweck erfüllten sie überdies nie – zur Uraufführung kamen sie in Mozarts Quartett-Subskriptionsmusiken 1790 und 1791 in Wien, und publiziert wurden sie, freilich ohne jede Widmung an den preussischen König, erst kurz nach Mozarts Tod.