Meet Trio Colores
Fr 05.Jun 2026 17.30Die Anfänge der Musik sind sehr umstritten. Liegen sie im Pfeifen der Schilfrohre im Wind? Oder sind …
«Musik existiert nicht in einem Vakuum». Was Benjamin Britten eher auf den Aufführungskontext von Musikstücken bezog, gilt auch für die Werke und ihre Genese selbst: Ein Werk fundiert immer auf einem kulturellen Kontext, beziehungsweise auf dem, was der Komponist/die Komponistin mit diesem macht; auf einem komplexen Netz von Inspirationsquellen, Geschmacksvorstellungen und Intentionen. Ein gutes Beispiel dafür «Der Tod und das Mädchen», eine seit der Renaissance beliebte Allegorie. Dieses schaurig-erotische Motiv wurde in verschiedenen Kunstgattungen aufgenommen und verarbeitet, so auch im gleichnamigen Gedicht von Matthias Claudius aus dem Jahr 1775. Franz Schubert verwendete dieses wiederum als Textvorlage für sein Lied «Der Tod und das Mädchen».
Schuberts Liedschaffen war auch für die Werke anderer Gattungen ein wichtiges Fundament, davon zeugen nicht zuletzt die langsamen Sätze der Streichquartette D 804 und 810 aus dem Jahr 1824. Beide beruhen jeweils auf direkten Zitaten aus den Liedern «Rosamunde» und eben «Der Tod und das Mädchen». Dessen Melodie weitet Schubert im Quartett D 810 auf einen sich stetig steigernden, sinfonisch anmutenden Variationensatz aus. Wohl mit der Absicht, das Quartett für grosse Säle tauglich zu machen, arrangierte es Gustav Mahler für Streichorchester. Das daraus resultierende Stück ist indes ein ganz Neues; trotz des unveränderten Notenmaterials ist der Unterschied des Klangeindrucks gewaltig. Anstelle intimer Intensität entfalten sich weite Klangflächen über das Fundament des hinzugefügten Kontrabasses. Und dann kommt eben noch Brittens Aufführungskontext: Die Streicher:innen des Musikkollegium Winterthur entlocken dem Werk wiederum eine neue, ganz eigene Facette.