Kammermusik Liebestrasse

Mahler & Enescu

So 13. Sep 2026 17.00
CHF
  • 45
freie Platzwahl
Location
Liebestrasse
Beginn
17.00 Uhr
Ende gegen
18.15 Uhr
Alle Daten
Besetzung
Violoncello
Anikó Illényi
Klavier
Irina Botan
Gustav Mahler Quartettsatz für Klavier, Violine, Viola und Violoncello a-Moll
George Enescu Klavierquintett D-Dur

Von den Kammermusiksätzen, die Gustav Mahler im Studium in Wien komponiert hat, ist ein einziger erhalten: Der 1. Satz eines Klavierquartetts in a-Moll. Ob es die übrigen Sätze je gegeben hat, und ob es sich bei ihnen um die Noten handelt, die einmal in der Post verloren gegangen seien, wie Mahler später berichtete? Es ist unklar, ebenso unklar wie das genaue Entstehungsjahr. Um 1877 könnte der Satz entstanden sein, da war Mahler siebzehn, ein hochbegabter (und nicht einfacher) Student; beides ist dem Satz anzuhören. Anzuhören sind der Musik auch die Vorbilder von Schubert bis Brahms. Nur «Mahler» ist sozusagen noch keiner zu hören. Was für manch anderen bereits der Gipfel der Kunst wäre, war für Mahler erst der Ausgangspunkt des Wegs, der ihn zu seinem ganz eigenen Ton führte. 

Das war bei George Enescu ganz ähnlich. Wobei Enescu sogar erst fünfzehn war, als er während seiner Studienjahre in Paris sein D-Dur-Klavierquintett schrieb. Weder Paris noch Enescus rumänische Herkunft sind darin in erster Linie zu hören, sondern auch hier ganz viel Brahms (und einiges an Schumann). Kein Wunder, studierte Enescu zuvor in Wien, und zwar bei demselben Lehrer, dessen Kammermusik vielleicht das direktere Vorbild von Enescus und Mahlers Werken darstellten: Robert Fuchs. Im Kopfsatz zeigt sich die vollendete Kunst des jungen Enescu: lyrisch-ernst die Themen, die in Durchführung und Coda formklug in Moll-Schatten getaucht werden. Wundervoll das Andante, das aus ganz einem kurzen, schlichten Motivgedanken herausgeflochten ist. Das Finale schliesslich lässt sich vielleicht als «rumänisch» hören, aber auch das steht in der Tradition: Von Haydn bis Brahms war hier im Finale der Ort für nationale Farben und Volkstöne. Und natürlich lockert Enescu in der Satzmitte die erdigen Klänge mit kundiger Hand ins luftig Fugierte auf. Ein wahrer Kammermusikschatz ist es, den die fünf Musiker:innen hier heben. Nicht verpassen!

 

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