Heimat Kiew
So 21.Jun 2026 14.00Eine Stadt wird erst dann zur Heimat, wenn sie eine eigenständige Kultur besitzt und zelebrieren …
An diesem frühsommerlichen Juniabend führt Sie das Ensemble des Musikkollegium Winterthur, angeleitet von Roberto González-Monjas, in die Welt der französischen Kammermusik. Diese fand nach Jahrzehnten eher bescheidenen Daseins nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 zu neuer Blüte – Komponisten wie Camille Saint-Saëns und Vincent d’Indy suchten die Emanzipation von deutschen Vorbildern wie etwa den Klavierquartetten Mendelssohns, Schumanns oder Brahms’. Saint-Saëns’ Klavierquartett, 1875 in der Société nationale de musique uraufgeführt, war eine klare Aufforderung an die jungen Komponistenkollegen, der «Musique germanique» in einer ihrer Domänen Gleichwertiges entgegenzusetzen. Gabriel Fauré folgte diesem Appell und begann bereits ein Jahr später mit der Niederschrift seines ersten Klavierquartettes. Entstanden ist dabei etwas ganz Eigenes; ein Werk das zugleich spontan und anmutig, nie extrem aber doch von enormer Spannung, zupackend doch stets elegant, melancholisch doch nicht depressiv ist.
Ganz einer Ästhetik des Klanges verschrieb sich Maurice Ravel. Sein zehnminütiges Gelegenheitswerk «Introduction et Allegro» ist ein Meisterwerk der Instrumentation. Die eigentümliche Besetzung für ein Septett mit der Harfe im Zentrum suggeriert eine orchestrale Klangfülle, in der auch die für Ravel so typische, spanische Exotik nicht fehlt. Das dritte französische Werk ist zugleich das berühmteste: Paul Dukas’ Vertonung von Goethes «Der Zauberlehrling» erlangte vor allem durch die Verwendung in Walt Disneys «Fantasia» auch jenseits des Konzertsaals grosse Bekanntheit. Mit dem zentralen Motiv des Werkes, der vom Lehrling entfesselten Wasserflut, ergibt sich zugleich eine Verbindung zu Toru Takemitsus «Toward the Sea»: Das von Greenpeace zur «Save the Whales»-Kampagne in Auftrag gegebene impressionistische Klanggedicht ist eine Hommage «an das Meer, das alle Dinge erschafft».