Yulianna Avdeeva
Mi 21.Okt 2026 19.30Hätten wir doch auch Orchestermusik von ihr! Eine Ouvertüre, ein paar Kantaten, wundervolle …
«Stadt der Liebe» wird der Komplexität der Kulturmetropole Paris kaum gerecht. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war die Grossstadt mit ihrer Dichte an grossen Künstler:innen ein guter Anfangspunkt für alle, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein versuchten. Dies gelang Emmanuel Chabrier leider nie, ganz im Gegenteil: Seine Oper «Le roi malgré lui» war weitgehend vom Pech gezeichnet – die Opéra-Comique in Paris brannte eine Woche nach Uraufführung nieder und Chabriers Oper kam auch danach nie recht zur Geltung. Nur die hier gespielte «Fête polonaise» fand in ihrer Orchesterfassung bald Zugang ins Repertoire. Das Gegenbeispiel dazu ist Igor Strawinskys «Feuervogel», denn schon die erste Aufführung schlug Wellen durch ganz Paris, was nicht einmal der russische Impresario Sergej Diaghilev vorausgeahnt hatte, der das Werk in Auftrag gab. Schliesslich war der unbekannte Strawinsky weder seine erste noch seine zweite Wahl. Ein Glücksgriff von Diaghilev also und für das Pariser Publikum genau das Richtige. Andere wiederum, so auch Sergej Prokofieff, mussten Umwege gehen, bis sie auf wohlwollende Reaktionen trafen. In Chicago liessen Prokofieffs kraftvoller Anschlag und die ungewohnte Harmonik seines dritten Klavierkonzerts den Konzertsaal grossflächig kalt. Ganz anders in Paris: Sein Auftritt war ein grosser Erfolg und Künstler:innen wie Maurice Ravel staunten ob Kompositions- und Klavierkunst. Prokofieff hatte in Paris seine Stadt gefunden, auch wenn dies die Emigration aus seiner vermissten Heimat bedeutete.