Aus meinem Leben
So 06.Sep 2026 17.00Spätestens seit Beethoven gilt die Sinfonie als die grosse, öffentliche Gattung. Das …
In der Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz» entdeckt man neben bekannten Meisterwerken des französischen Impressionismus gerne auch weniger bekannte Vorläufer, die spannende Quervergleiche ermöglichen. Kommt da noch Musik dazu, erlebt man die Bilder nochmals aus einem ganz anderen Blickwinkel. Apropos Quervergleiche: Diese bieten sich auch im heutigen Programm an, wobei das jüngere Werk hier das unbekanntere ist. Alexander Borodins Streichquintett in f-Moll wurde zu seiner Lebzeit nie veröffentlicht und die Biografen sind sich uneins, wann er dieses denn komponiert hat. Vermutlich schrieb er es auf Anraten I.I. Gavrushkevichs, bei dessen Kammermusik-Treffen er während seinen Studienjahren auf dem Cello mitwirkte. Meistens wurden da Sextette, Septette und Oktette gespielt, aber auch die Quintette eines Onslow oder Boccherini waren ihnen geläufig. Und so ist es kaum erstaunlich, dass Borodin das Quintett für zwei Celli schrieb, auch wenn ihm das sehr schwer viel: «denn es hat zwei Hauptstimmen (die erste Violine und das erste Cello), und ich glaube nicht, dass ich eine Cellostimme schreiben kann, die anständig klingt und zum Instrument passt».
Boccherinis Quintette zeichnen sich nämlich ebenfalls durch den Einsatz von zwei Celli aus, ganz im Gegensatz etwa zur bei Mozart üblichen Doppelung der Bratschen. Seines Zeichens selbst Cellist und Kammermusikant am Madrider Hof, schuf Boccherini dadurch einen ganz eigenen Quintettstil. Chorische Basslinien und rege Beteiligung aller fünf Stimmen schaffen einen klangvollen Charakter. Und wenngleich Borodin so seine Mühe damit bekundete, für das eigene Instrument schreibt man oftmals am besten. So warten auch Boccherinis Quintette mit wundervollen Cellosoli auf.