Heimat Kiew
So 21.Jun 2026 14.00Eine Stadt wird erst dann zur Heimat, wenn sie eine eigenständige Kultur besitzt und zelebrieren …
Spätestens seit Beethoven gilt die Sinfonie als die grosse, öffentliche Gattung. Das Streichquartett, so etwas wie ihre kleine Schwester, bietet dagegen einen deutlich intimeren Rahmen. Somit war es nur konsequent, wenn Bedřich Smetana für seine musikalische, autobiografische Retrospektive «Aus meinem Leben» diese kleinbesetzte Kammermusikgattung wählte. In ihr vertonte er nicht nur das lustige Leben seiner Jugendzeit und das Glück seiner ersten Liebe, sondern auch den «Augenblick der jähen Unterbrechung durch die ominöse Katastrophe: Beginn der Taubheit». Bereits im ersten Satz angekündigt, manifestiert sich das «Pfeifen in den höchsten Tönen» im Finale in einem viergestrichenen, langanhaltenden hohen Eine persönliche Erfahrung war es denn auch, welche die US-amerikanische Komponistin Caroline Shaw zu «Entr’acte» für Streichquartett inspiriert hat, nämlich die Begegnung mit Haydns letztem vollständigen Streichquartett op. 77/2, oder noch genauer: der Übergang ins Trio des Menuetts an einem Konzert des Brentano Quartetts. Diesen fand Shaw so berührend, dass sie ein Werk erdachte, das aus zahlreichen solchen «irrwitzigen, feinsinnigen, farbigen Überleitungen» besteht. Haydns Streichquartettschaffen war auch für Beethoven von zentraler Bedeutung. Dies merkt man nicht zuletzt im Scherzo des sechsten Streichquartetts seines Opus 18, das voller rhythmischer und motivischer Zweideutigkeiten steckt. Der Finalsatz, den Beethoven mit «La malinconia» überschrieben hat, wirkt dagegen zutiefst persönlich, wenn auch umstritten bleibt, ob diese Schwermut tatsächlich autobiografisch mit der einsetzenden Taubheit des Komponisten zusammenhängt.