Video-Konzerte

Hier sehen und hören Sie ein letztes Videokonzert von zu Hause aus, bevor es wieder im Konzertsaal weiter geht. Ab dem 9. Juni werden wir wieder Konzerte mit bis zu 250 Zuschauern veranstalten. Wir freuen uns auf Sie!

Brahms - 2. Klavierkonzert mit Nelson Freire

Musikkollegium Winterthur
Thomas Zehetmair (Leitung)
Nelson Freire (Klavier)

Johannes Brahms: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 B-Dur, op. 83

Allegro non troppo
Allegro appassionato
Andante
Allegretto grazioso

aufgenommen im Mai 2019

 

Zwischen dem ersten und dem zweiten Klavierkonzert von Johannes Brahms liegen fast 23 Jahre: eine lange Zeit, in der Brahms vom jugendlich-stürmischen Revolutionär zur verehrten Wiener Autorität reifte. Die Uraufführung des ersten Klavierkonzerts war ein Reinfall gewesen, die des zweiten 1881 wurde ein Triumph. Diese Gegensätzlichkeit scheinen die Werke widerzuspiegeln. War das erste vor allem von einem tragischen Gestus geprägt, zeigt das zweite verschiedene Charaktere, hier einen heroischen, dort einen lyrischen Ton. Theodor Billroth äusserte die Einschätzung, das Konzert verhalte sich zum ersten «wie der Mann zum Jüngling; unverkennbar derselbe, und doch alles gedrungener, reifer». Wie gewohnt selbstironisch hatte Brahms seinem Freund, einem musikliebenden Chirurgieprofessor, den er in Zürich kennengelernt hatte, die Partitur mit den Worten angekündigt, er schicke «ein paar kleine Klavierstücke». Tatsächlich ist es mit etwa fünfzig Minuten Spieldauer eines der längsten Klavierkonzerte des Repertoires. Die Frage, wer – Orchester oder Solist – ein Solokonzert beginnt, beantwortet Brahms mit einem Kompromiss. Der Anfang gehört dem Horn, dessen zurückhaltenden Ruf das Klavier mit einer ausgeschmückten Antwort erwidert. Erst nach einer weiteren Solopassage setzt das ganze Orchester im Forte ein und verleiht dem Hornthema einen resoluten Charakter. Billroth meinte: «Freilich ist das Anfangsmotiv einfach, aber was wird daraus! es bäumt sich zu einem Gebirge auf!» Dem resoluten Thema treten zartere entgegen, und im Folgenden wird das Klavier wie selbstverständlich in das Orchester eingebunden. Der zweite Satz sorgte in Brahms’ Kreisen für Diskussionen; «mit einem ganz kleinen zarten Scherzo» hatte Brahms seiner Vertrauten Elisabeth von Herzogenberg das Konzert angekündigt. Auch hier blitzt seine Ironie auf, denn das Allegro appassionato in d-Moll macht alles andere als einen zarten Eindruck. Ein Scherzo in einem Solokonzert war ungewöhnlich, und Brahms überlegte selbst, es wieder zu streichen. Glücklicherweise behielt er es bei, sorgt es doch für einen dramatischen Kontrast, der das folgende Andante umso besinnlicher erscheinen lässt. Am Beginn dieses dritten Satzes wähnt man sich in einem Cellokonzert. Das Finale ist kein Rausschmeisser, vielmehr ein graziöser Abschluss, für den Kritiker Eduard Hanslick der «Gipfel des Ganzen, jedenfalls wird er es durch die unmittelbarste, hinreissende Wirkung auf das Publikum.»

 

David Reissfelder

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