Ein bleibendes Zeichen setzen

Nur dank grosszügiger Legate ist es dem Musikkollegium möglich, das reichhaltige musikalische Erbe mit seinem einzigartigen Sinfonieorchester und einem erstklassigen Konzertangebot weiter zu pflegen. Wir danken unseren grosszügigen Vermächtnisgebern und erinnern uns an sie, indem wir ihren Lebenslauf und ihre Beziehung zum Musikkollegium nachfolgend festhalten.

Werner Reinhart (1884–1951)
Werner Reinhart (1884–1951)

Werner Reinhart wurde am 19. März 1884 als drittes von fünf Kindern von Dr. Theodor Reinhart und Lilly Reinhart, geborene Volkart, in Winterthur geboren. Früh entwickelte er grosse Freude an Musik. Nach dem Gymnasium begann Reinhart eine Lehre in der Firma seines Vaters, der Gebrüder Volkart. Nach Absolvierung derselben arbeitete er für ein Jahr bei einem Pariser Bankhaus als Volontär und lebte anschliessend als Angestellter der Fa. Gebrüder Volkart während weiteren Jahren in London, Indien, China und Japan. Im Jahr 1912 wurde Reinhart Teilhaber der Gebrüder Volkart. Neben seiner weitverzweigten Tätigkeit im Geschäft galt seine ganze Liebe und Hingabe dem Reich der Musik. Als sein Vater, Theodor Reinhart, 1919 starb, übernahm Werner Reinhart das elterliche Haus an der Rychenbergstrasse 94.

Reinhart war als Mäzen primär von Musikern (u.a. Clara Haskil, Alma Moodie, Ernest Ansermet, Hermann Scherchen, Adolf und Fritz Busch) und Komponisten (u.a. Othmar Schoeck, Igor Strawinsky, Paul Hindemith, Arthur Honegger, Alban Berg, Anton von Webern), aber auch von bildenden Künstlern (Alice Bailly, René Auberjonois) und Schriftstellern bekannt, so von Rainer Maria Rilke, dem er das Schloss Muzot bei Siders zur Verfügung stellte. Sein Wohnhaus Rychenberg in Winterthur vermachte er dem Musikkollegium Winterthur als Musikschule.

Das Musikkollegium Winterthur war für Werner Reinhart das «Instrument» seines Mäzenatentums, wie für Paul Sacher das Basler Kammerorchester und für Serge Koussevitzky u.a. das Boston Symphony Orchestra: Das Musikkollegium war die Institution, durch welche und für die Reinhart nicht nur als aktiver Musiker, sondern auch als Förderer in Erscheinung trat, jedoch nach aussen «unmerklich» und «einer wohltätigen unterirdischen Strömung» gleich. Während aber Dirigenten sich auch als Person exponieren müssen, war für Reinhart die Institution ein willkommener Schutzmantel, so wie er seine eigene musikalische Tätigkeit auf die Halböffentlichkeit gelegentlicher Feierstunden beschränkte oder die schützende Masse des Orchesters suchte, während er Hermann Scherchen und anderen berufenen Orchesterleitern auf dem Podium die Aufmerksamkeit überliess.
Paul Sacher, für den Werner Reinharts Wirken in verschiedener Weise sogar Vorbildwirkung hatte, würdigte den eine Generation älteren Mäzen:
«Wer sich dereinst mit der Musikgeschichte und dem Schicksal der Musiker des 20. Jahrhunderts beschäftigt, wird immer wieder Ihrem Namen begegnen. Die musikalische Revolution, die sich während und nach dem ersten Weltkrieg abspielte, haben Sie teilnehmend und unterstützend verwirklichen helfen. Es gibt wohl kaum einen Künstler von Rang, der Sie nicht gekannt und Ihre Förderung nicht erfahren hätte.»

Luzia Bühler (1927–1997)
Luzia Bühler (1927–1997)

Luzia Bühler wurde am 11. Januar 1927 als Tochter von Jetty Bühler-Walder (1898–1982) und Victor Bühler (1897–1977) in Winterthur geboren. Sie wuchs mit ihrer Schwester Elisabeth (1924–1950) im Elternhaus an der Rychenbergstrasse auf und war stets begleitet von Musik: Berühmte Solisten und Dirigenten gingen bei den Eltern ein und aus. Bald bekam sie selbst Klavierunterricht und studierte mit ihrem Vater die erste Cello Sonate ein.

Luzia besuchte die Primar- und Mädchenschule in Winterthur und entschied sich nach erfolgreichem Abschluss der Mittelschule, die Matur zu absolvieren. Schliesslich nahm sie das Studium der Pharmazie an der ETH in Zürich auf. Offensichtlich stellte sie die Tätigkeit als Apothekerin jedoch nicht vollends zufrieden, so dass Luzia schliesslich das Studium der Querflöte begann und mit dem Lehrdiplom erfolgreich abschloss. Die Zeit als Flötenlehrerin an der Musikschule in Winterthur bereitete ihr grosse Freude. Sie verstand es, junge Menschen für Musik zu begeistern und einige Schüler blieben ihr bis zu ihrem Tode eng verbunden. Luzia sagte oft, die Schüler seien ihre Kinder und ihre ganze Freude.

Nach dem Tod ihrer Eltern kaufte sich Luzia ein Ferienhaus in Madulain im Engadin, organisierte Probenwochenenden mit ihren Schülern und spielte Orgel zu den Gottesdiensten in der Kirche. Neben Verwandten und Freunden lud sie auch immer Musiker dorthin ein. Auch zuhause nahm Luzia regelmässig Musiker und Studenten bei sich auf und wurde eine beliebte „Pflegemutter“. Hauskonzerte, bei denen junge Musiker vor Publikum auftreten durften, gehörten in diesen Lebensabschnitt. Neben der Musik spielten für Luzia auch die Natur, die Berge und ihr Hund, ein Dalmatiner, eine grosse Rolle.

Im Alter von 70 Jahren verstarb Luzia Bühler am 19. Januar 1997 und hinterliess dem Musikkollegium Winterthur ein Legat von über einer Million Schweizerfranken.

Dr. Werner und Regina Bühler-Eberhard (1899–1991) und (1908–2002)
Dr. Werner (1899–1991) und Regina (1908–2002) Bühler-Eberhard

Werner Bühler wurde am 2. Juli 1899 als Sohn von Frieda (1872–1962) und Hermann Bühler-Sulzer (1870–1926) in Winterthur geboren. Er wuchs zusammen mit seinen Geschwistern Hermann, Viktor und Johanna in der Villa „Rappenhalde“ in Winterthur auf und verlebte eine «strahlende und glückliche» Jugend, wie er selbst betonte. Für Musik und Kunst hatte sich Werner zeitlebens interessiert: Seine Eltern gehörten zu jenem kulturell aufgeschlossenen Kreis, der dem Musikkollegium und dem Kunstverein zu ihrer herausragenden Bedeutung verholfen hat. Die Familie machte Kammermusik: Werner spielte wie sein Vater Klavier, seine Brüder Geige und Cello. Die früh in ihm geweckte Liebe zu Kunst, Musik und Natur erfüllte Werner Bühler bis an das Ende seines Lebens.

1912 erfolgte der Eintritt ins Gymnasium, die Matura schloss er 1918 ab und begann schliesslich sein Jura Studium in Lausanne. Später wechselte Werner an die Universitäten von Bern und Zürich. 1929 nach bestandenem Staatsexamen begann er als Dr. iur. seine Karriere bei der Winterthur Versicherung auf.

Werner Bühler lernte 1927 Regina Eberhard kennen. Regina wurde am 6. November 1908 als Tochter von Regula und Gottlieb Eberhard-Nägeli in Zürich geboren. Sie wuchs mit ihren fünf Geschwistern in Uster auf, wo sie auch die Primarschule besuchte. Nach der Sekundarschule besuchte sie die Handelsschule und nahm ihre Arbeit als Sekretärin auf. Regina spielte Geige und schrieb ein reizendes Tagebuch mit Zeichnungen über ihren Dackel «Dusli».

1935 heirateten Werner und Regina. Beide vereinte das Interesse an Wanderungen, Reisen sowie ihre Begeisterung für Kunst und Musik. Regelmässig fuhren sie an die Salzburger Festspiele und besuchten Museen und Konzerte.

Im Alter von 92 Jahren verstarb Werner Bühler am 7. August 1991. Bis ins hohe Alter behielt er seine körperlichen und geistigen Kräfte und seine Lebensfreude. Seine Frau Regina Bühler folgte ihrem Ehemann am 17. Oktober 2002 im Alter von 94 Jahren. Regina und Werner Bühler-Eberhard hinterliessen dem Musikkollegium Winterthur ein Legat in sechsstelliger Höhe.

Dora Stierli (1929–2009)
Georg Ruckstuhl (1926–2010)

Georg Ruckstuhl wurde am 20. September 1926 in Winterthur geboren. Bereits mit neun Jahren begann er mit dem Erlernen des Geigenspiels. Nach Abschluss der Mittelschule absolvierte er das Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bern; parallel dazu belegte er Vorlesungen über Musikgeschichte und betrieb autodidaktisch musikwissenschaftliche Studien. Nach seinem Studienabschluss (lic.rer.pol) im Jahre 1951 arbeitete Ruckstuhl kurze Zeit als Lehrer an einer privaten Handelsschule bei gleichzeitiger Fortführung der schon als Student begonnenen journalistischen Tätigkeit.

Der Doppelberuf begleitete Georg Ruckstuhl während 25 Jahren: 1960-1985 war er regionaler Leiter einer führenden Dienstleistungsgesellschaft und gleichzeitig bis Ende 1995 Konzert- und Opernkritiker beim „Landboten“. Ruckstuhl berichtete regelmässig über Neu-Inszenierungen des Zürcher Opernhauses, über Konzerte des Orchesters Musikkollegium Winterthur und über neue Schallplatten und CDs.

1961 bis 1968 war Georg Ruckstuhl Präsident der «Studiengruppe für neue Musik» in Schaffhausen (Ortsgruppe der «Gesellschaft für Neue Musik» – IGNM). Er organisierte pro Saison drei bis vier Kammerkonzerte mit zeitgenössischer Musik. Von 1963 bis 1981 gestaltete und moderierte er eigene Programme in den Sendereihen «Für den Schallplattenfreund» und «Neues für die Diskothek» für das Schweizer Radio UKW 2, Studio Zürich (heute Radio SRF2 Kultur) unter der Gesamtleitung von Siegfried Brenn. Ruckstuhl war auch Autor und Sprecher von Einführungen zu Gesamtwiedergaben von Opern, schrieb und präsentierte überdies Radio-Feuilletons.

Beinahe 50 Jahre Schallplattenkritik ergeben eine Fülle von tontechnischem Material. Im Jahre 1979 vereinbarte Georg Ruckstuhl mit der Stadt Winterthur und dem Musikkollegium Winterthur, dass die Tonträger ratenweise in den Besitz des Musikkollegiums übergehen sollen. Die Sammlung ist in ihrer breiten Auffächerung bezüglich der musikgeschichtlichen Epochen, der Werkauswahl und der Interpreten ein Abbild des musikalischen Schaffens der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und somit ein bedeutendes musikhistorisches Dokument für kommende Generationen. Bis zum Erweiterungsbau der Musikschule an der Tössertobelstrasse 1 lagerten die Tonträger in der Stadtbibliothek Winterthur, dann wurden sie 1999 in einem Raum der Musikschule untergebracht. Heute umfasst die Sammlung ca. 6600 LPs und 4700 CDs.

Die Tonträger sind katalogisiert und stehen allen Musikinteressierten für Forschungszwecke und wissenschaftliche Arbeiten zur Verfügung. Sie können beim Konservatorium bestellt und dann in den Räumlichkeiten der Schule abgehört werden.

Am 27. Februar 2010 verstarb Georg Ruckstuhl im Alter von 84 Jahren und hinterliess dem Musikkollegium Winterthur ein Legat von über einer Million Schweizerfranken.

Hanna Keller (1930–2012)
Jean-Pierre Cuendet (1928–2013)
Aloisia Wigger (1928–2013)
Guiseppe Kaiser (1917–2014)
Guiseppe Kaiser (1917–2014)

«Ich habe in meinem Leben stets wahnsinnig Glück gehabt», sagte Guiseppe Kaiser in einem Interview im Landboten vor ein paar Jahren. Mitten im Ersten Weltkrieg am 24. März 1917 als uneheliches Kind geboren, kam er in ein Zürcher Kinderheim, wo ihm schon bald die Abschiebung nach Italien, der Heimat seiner Mutter, drohte, weil diese nicht mehr zahlen konnte. Im letzten Moment wurde der kleine Guiseppe von einem Zürcher Ehepaar adoptiert, sein neuer Vater führte eine Velohandlung. Dort machte er eine Mechanikerlehre und arbeitete anschliessend als Dreher bei Sulzer.

Das war ihm aber nicht genug. Er wollte «nach oben», besuchte eine Abendschule, die ihm die Türen zum Ingenieurstudium an der ETH öffnete. Mit dem Diplom im Sack und um einige Erfahrungen reicher kehrte Guiseppe Kaiser zu Sulzer zurück, nun aber als Kadermann. Wenige Monate später wurde er Direktor und Chef von 4’000 Angestellten. Nach einem Jahrzehnt bei Sulzer wechselte er zum Textilunternehmen Schiesser, das er in den Sechziger- und Siebzigerjahren zum grössten Unterwäschehersteller Europas machte.

Zur Führungsposition kamen auch bald Verwaltungsratsmandate hinzu, bei den Winterthur Versicherungen, bei der Deutschen Bank oder bei Georg Fischer. Parallel zum beruflichen Aufstieg erklomm Kaiser auch im Militär Stufe um Stufe bis zum Obersten und Regimentskommandanten.

Nach vielem Erreichten lebte Guiseppe Kaiser im Alter eher zurückgezogen in seiner Villa am Wolfensberg. Zusammen mit seiner aus Tibet stammenden Adoptivtochter widmete er sich seinen drei wohltätigen Stiftungen. Die Guiseppe-Kaiser-Stiftung unterstützt junge Künstler und das Musikkollegium, die Stiftung Eulachtal baut derzeit ein Pflegewohnheim in Rümikon. Die dritte Stiftung wird vom katholischen Wülflinger Pfarrer Willy Mayunda Mbuinga geleitet und erstellt im Kongo Schulen, Gemeinschaftshäuser und ein Spital. (Quelle: Winterthurer Jahrbuch 2015, S. 209)

Am 25. März 2014 verstarb Guiseppe Kaiser im Alter von 97 Jahren und hinterliess dem Musikkollegium Winterthur ein Legat in sechsstelliger Höhe.

Dr. Hans Heinrich Fehlmann (1919–2015)
Dr. Hans Heinrich Fehlmann (1919–2015)

Heinz Fehlmann war in vielerlei Hinsicht ein engagierter Winterthurer. 1914 geboren, wuchs er ab 1928 im Kreis der Familie in einem markanten Haus an der Römerstrasse auf. Nach der Primarschule besuchte er die Kantonsschule Im Lee. An seine Gymnasialzeit und an einige seiner Lehrer erinnerte er sich stets gerne und mit Dankbarkeit. 1938 legte er die Maturitätsprüfung ab. Zu dieser Zeit gehörte er auch dem Kadettenkorps Winterthur und später der Mittelschulverbindung Vitodurania an. In diesem Kreis fand er Freunde, mit denen er bis ins hohe Alter eng verbunden blieb.

Sein Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät fiel zeitlich zusammen mit dem Zweiten Weltkrieg; seine Studien konnte er 1947 mit der Promotion abschliessend; 1950 folgte der Erwerb des Zürcher Rechtsanwaltspatentes. Damit war die berufliche Laufbahn vorgezeichnet. 1952 trat er in die Rückversicherungsabteilung der «Winterthur» ein und stieg kontinuierlich die Stufenleiter hoch bis zum Generaldirektor.

Als sein grösstes Glück im Leben empfand Heinz Fehlmann seine Heirat 1948 mit Elisabeth Sommer. Mit intuitivem Kunstverstand und vielseitigen literarischen Interessen, aber auch mit grosser Hilfsbereitschaft schuf sie ihm an der Palmstrasse 25 ein ebenso gediegenes wie behagliches Heim, das Freunden, Gästen wie auch Ratsuchenden stets offen stand. Viel zu früh fanden diese glücklichen Ehejahre ein schmerzliches Ende, als seine Gattin 1982 einem Lungenleiden erlag.

Die Jahre nach dem Tode seiner geliebten Frau widmete er sich mit aller Kraft den beruflichen Herausforderungen. Nach der Pensionierung liess er das verwaiste Heim häufig hinter sich, um auf Auslandreisen Freunde und ehemalige Geschäftspartner zu treffen. Gleichzeitig wurde ihm die Pflege von Freundschaften zu Hause immer wichtiger.

Heinz Fehlmann war viele Jahre lang Abonnent und Mitglied des Vereins Musikkollegium Winterthur. Er hat in seinem Leben nie das Rampenlicht gesucht. Bescheidenheit und Zurückhaltung prägten sein Wesen. Höchste Pflichterfüllung im Beruf war ihm genauso wichtig wie Zuverlässigkeit und Treue im Familien- und Freundeskreis. Am 16. Oktober 2015 ist Heinz Fehlmann kurz vor Vollendung seines 96. Lebensjahres verstorben. Dem Musikkollegium Winterthur hat er 1 Mio. Franken hinterlassen.

Dr. med. Regula Diethelm (1923–2015)
Dr. med. Regula Diethelm (1923–2015)

Regula Diethelm wurde am 26. Februar 1923, in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit, in Winterthur geboren. Ihre Eltern stammten aus kinderreichen Familien. Dass ihr Vater einen Beruf hatte erlernen können, in dem er es zu einer guten Stellung bei einer Versicherung gebracht hatte, war nicht selbstverständlich. Ihre Eltern, mit denen sie an der Rychenbergstrasse aufwuchs, legten denn auch grossen Wert auf eine bestmögliche Förderung ihrer einzigen Tochter.

Früh wurde Regula Diethelm im Klavierspiel unterrichtet. Als junge Gymnasiastin waren ihr besonderes Problem die guten Schulnoten, was ihr den Ruf als »Schanzknochen» eintrug. Nach der Matura hätte sie gerne am Konservatorium Musik studiert, entschied sich jedoch für den Arztberuf, da ihr dabei das Klavierspiel ja erhalten blieb. Sie spielte denn auch Klavier bis ins hohe Alter, solange sie die Noten noch sehen konnte.

1944 trat sie in den Rotkreuzdienst ein, zunächst im Sanitäts- Hilfsdienst, danach bis zu ihrer Entlassung 1978 als zugeteilte Ärztin. Nach Abschluss des Medizinstudiums Ende 1951 folgten Assistenzjahre an verschiedenen Spitälern. Zur Erlangung des Facharzttitels in Psychiatrie und Kinderpsychiatrie war sie unter anderem auch an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Lausanne tätig. 1960 konnte sie ihre eigene Praxis in Zürich eröffnen, in der sie ihre berufliche Tätigkeit bis weit ins Pensionsalter ausüben konnte.

Die allmähliche Reduktion ihrer Berufstätigkeit verschaffte ihr Raum für Reisen, Konzert- und Theaterbesuche, für die Lesegruppe der Akademikerinnen sowie einer kleinen Gruppe, die russische Literatur liest überdies das wöchentliche Bridge-Spiel. Sie lernte noch Russisch, verbrachte einen Sprachaufenthalt bei einer Familie in Petersburg. Trotz eines fortschreitenden Augenleidens und einer daraus resultierenden schweren Sehbehinderung erledigte sie ihre Angelegenheiten noch immer selber. Ihr eigenständiges und von wachem Geist geprägtes Leben, in dem sie in Beruf und Freundeskreis viel gegeben hat, konnte sie bis zu den beschwerlichen letzten Monaten führen.

Noch zu Lebzeiten, im Jahr 2005, schenkte Regula Diethelm dem Musikkollegium Winterthur, mit dem sie ein Leben lang verbunden war, ein Baugrundstück in Oberwinterthur, dessen Verkaufserlös dem Musikkollegium Winterthur zugute kam. Das Konzert mit Leif Ove Andsnes und Christian Tetzlaff der Saison 2007/2008, das ihr zum Dank für die grosszügige Schenkung gegeben wurde, hat sie tief gerührt und gefreut.

Jacques Kuhn (1919–2016)
Jacques Kuhn (1919–2016)

Geboren wird Jacques Kuhn 1919 im Elsass. Da die Zeit nach dem Krieg unsicher ist, kehren die Eltern 1926 in die Schweiz zurück, wo der Vater in Rikon eine konkursite Metallwarenfabrik übernimmt. Schon früh bekommt Jacques Geigenunterricht, ist ein begabter, aber kein fleissiger Schüler. Als ihm das Instrument beim Überqueren der Töss ins Wasser fällt, bemerkt er den Schaden erst, als er den Kasten nach einer Woche in der Geigenstunde wieder öffnet. Unverdrossen spielt er bis ins Alter mit Nichten und Neffen an allen Familienanlässen und Festen. Zeit seines Lebens liebt er die Musik. Auch wenn es ihm nicht gut geht, belebt ihn ein Konzertbesuch auf fast magische Weise.

Der Vater stirbt früh, der ältere Bruder Henri muss ins Geschäft. Jacques studiert an der ETH in Zürich, geht nach Kriegsende in die USA, von wo er revolutionäre Neuerungen für die Pfannenherstellung mitbringt. 1947 übernimmt er die technische Leitung des Unternehmens.

Da die Schweiz als erstes europäisches Land schon 1961 Tibetern Exil gewährt, stellen die Brüder Kuhn den Flüchtlingen spontan Arbeit und Unterkunft zur Verfügung. Um ihnen den Verlust der Heimat und die Konfrontation mit einer völlig fremden Kultur zu erleichtern, gründen sie auf Wunsch des Dalai Lama das Klösterliche Tibet-Institut, das einzige tibetisch-buddhistische Kloster im Westen.

Erst 55-jährig stirbt Henri Kuhn im Jahr der Klostereinweihung. Jacques übernimmt die Geschäftsleitung sowie die Verantwortung für das Tibet-Institut, das inzwischen zum unverzichtbaren Bestandteil des kulturellen und religiösen Lebens der Tibeter in der Schweiz geworden ist. Er lernt dort seine Frau kennen und wagt sich nach einer späten Heirat in die Gefilde der Literatur. Gemeinsam schreiben sie drei Tösstal-Krimis.

So war er: neugierig, unternehmungslustig, begeisterungsfähig, stets für eine Überraschung gut und so voll Leben. Bis er kurz vor dem 98. Geburtstag seine Augen für immer schloss.

Gertrud Süss (1918–2016)