Composer in Residence:
Richard Dubugnon

International ist er seit längerem bekannt: Janine Jansen hat schon 2008 in Paris sein Violinkonzert uraufgeführt, das Klavierduo Katia und Marielle Labèque 2012 bei den Proms sein Battlefield Concerto. Erst allmählich aber kommt seine Musik bei uns in der Deutschschweiz an – so als erschiene sie aus dem Nichts.

Richard Dubugnon – Ein musikalischer Erzähler

Ungewöhnlich ist der Weg von Richard Dubugnon. 1968 in Lausanne geboren, wuchs er in einer künstlerischen Umgebung auf: die Mutter Schriftstellerin, der Vater Jazzmusiker. Er spielte Klavier, brachte es aber nicht besonders weit. An eine Musikerkarriere war nicht zu denken, und doch war da dieses Gefühl, ohne Musik nicht leben zu können. Zunächst begann er Geschichte zu studieren – und merkte mit zwanzig, dass er doch Musik machen musste, weil er sonst nicht glücklich werden würde. Deshalb belegte er Kurse in Harmonielehre, konzentrierte sich bald ganz auf die Musik, studierte, um eine Lebensgrundlage zu haben, Kontrabass, Tonsatz, Gehörbildung etc.. Sein erster Kontrabasslehrer warnte ihn, es werde sehr, sehr schwierig werden. Aber Dubugnon antwortete nur: «Ja, ich weiss, ich bin bereit dazu.»

So folgte er seinem Weg mit aller Leidenschaft – bis heute. Bald schon spielte er als Kontrabassist an der Pariser Oper und im Orchestre de la Suisse Romande. In Paris und London studierte er Komposition. 1991 schrieb er sein erstes Werk, zu dem er auch heute noch steht: «Trois évocations finlandaises», bezeichnenderweise für Kontrabass solo. Heute lebt er als freischaffender Komponist und hat genügend Aufträge – so auch aus Winterthur, wohin er diese Saison als Composer in Residence kommt. Seine zweite Kammersinfonie schreibt er für das Musikkollegium Winterthur; Kammermusik ist zu hören – und vor allem die deutschsprachige Erstaufführung seines «Schlüsselspiels», einer musikalischen Erzählung für ein junges Publikum. Dubugnon erzählt nämlich gerne Klanggeschichten; seine Musik ist ungemein suggestiv und illustrativ, und damit schafft er etwas, was in der Neuen Musik nicht so häufig ist: Er spricht das Publikum direkt an.

Thomas Meyer