Das Musikkollegium Winterthur wurde 1629 gegründet. Es ist damit eine der traditionsreichsten musikalischen Institutionen Europas, welche weder auf höfische noch kirchliche Initiative entstand. Bereits seit dem 19. Jahrhundert besteht es als professionelles Ensemble. Aufgrund seiner Größe von 50 Musikerinnen und Musikern stehen heute Klassik und Frühromantik neben Werken des 20. Jahrhunderts im Zentrum des Repertoires.

Mit seinen Chefdirigenten Franz Welser-Möst (1987-1990), János Fürst (1990-1994), Heinrich Schiff (1995-2001) und Jac van Steen (2002-2008) hat sich das Ensemble zu einem führenden Schweizer Klangkörper entwickelt. Seit 2009 ist Douglas Boyd Chefdirigent des Musikkollegiums Winterthur. Erste gemeinsame Projekte umfassen – neben den eigenen Konzerten in Winterthur – eine Produktion fürs Opernhaus Zürich, Tourneen nach Deutschland und Spanien sowie diverse CD-Aufnahmen.

Das Orchester gibt pro Saison etwa 70 Konzerte, davon rund 40 in Winterthur im Rahmen seiner eigenen Konzertreihen im Stadthaus Winterthur, einem Gebäude von Gottfried Semper. Die neu lancierte Konzertstruktur, die sich konsequent nach Zielgruppen orientiert, hat die Position des Musikkollegiums Winterthur als innovativer Konzertveranstalter gestärkt. Zunehmend ist das Ensemble bei bedeutenden Konzertreihen im In- und Ausland zu Gast. Die Zusammenarbeit mit dem Opernhaus Zürich erlaubt dem Orchester, sich regelmässig im Opernbereich zu profilieren.

Berühmte Solisten wie Emanuel Ax, Daniel Hope, Janine Jansen, Fazil Say oder Jean-Yves Thibaudet schätzen die kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Musikkollegium Winterthur. Besondere Bemühungen unternimmt das Orchester bei der Förderung junger Solistinnen und Solisten. Herausragenden Talenten wie Teo Gheorghiu oder Kit Armstrong bietet das Musikkollegium Winterthur Projekte über mehrere Saisons an.

Mit seiner exemplarischen Jugendarbeit hat das Musikkollegium Winterthur in den letzten Jahren eine Vorreiterrolle in diesem Bereich eingenommen, für die es bereits mehrere Preise entgegen nehmen durfte. Neben einem vielfältigen Veranstaltungsangebot wurden auch Buch-, CD- und DVD-Projekte sowie ein Dokumentarfilm realisiert.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägten der Mäzen Werner Reinhart und der Dirigent Hermann Scherchen die Geschicke des Orchesters wesentlich. Bedeutende Komponisten wie Strauss, Strawinsky, Schoeck oder Webern komponierten für das Musikkollegium Winterthur. Autographe dieser Komponisten bilden neben Originalen vom Mozart oder Puccini und einem umfangreichen Brahms-Briefwechsel den Grundstein für eine der bedeutendsten musikalischen Privatsammlungen, die Reinhart mit seiner „Rychenberg-Stiftung“ und dem Musikkollegium-Archiv anlegte.

Neben und nach Scherchen pflegten Dirigenten wie Wilhelm Furtwängler, Fritz Busch, Joseph Keilberth und Armin Jordan langjährige Beziehungen zum Musikkollegium Winterthur. Heute arbeiten Bernard Labadie, Theodor Guschlbauer, Heinz Holliger und Mikhail Pletnev regelmäßig als Gastdirigenten. Konzerte mit Musikern wie Vladimir Ashkenazy, Rudolf Buchbinder, András Schiff oder Maurice Steger, die in Doppelfunktion als Solist und Dirigent auftreten, ergänzen das künstlerische Profil.