Artist in Resonance Ian Bostridge

Unter den namhaften Liedersängern ist Ian Bostridge zweifellos eine der markantesten Künstlerpersönlichkeiten. Kein anderer Tenor verfügt über einen derart grossen Facettenreichtum, und das auf mehreren Ebenen – sowohl was die Stimme, was den Gesang insgesamt anbelangt, aber auch hinsichtlich des Umgangs mit der Sprache und überhaupt der künstlerischen Interpretation. In dieser Saison ist der britische Ausnahmetenor als Artist in Residence zu erleben, und das in fünf sehr unterschiedlichen Programmen.

Spätestens seit seinem Debüt 1993 in der renommierten Londoner Wigmore Hall – dem «Bayreuth des Liedgesangs» – gehört Ian Bostridge zu den namhaftesten Liedersängern unserer Zeit. Seine helle, ungemein ausdrucksintensive und ebenso subtil geführte Tenorstimme prädestiniert ihn geradezu für das romantische deutsche (und englische) Lied. Seine mittlerweile fast unübersehbare Anzahl an oft preisgekrönten CD-Einspielungen deckt das entsprechende Liedrepertoire von Schubert über Schumann und Brahms bis zu Hugo Wolf und Benjamin Britten ab. Ebenso beeindruckend ist Ian Bostridge als Konzertsänger, etwa in der Evangelisten-Partie in Bachs Passionen.

In Eigenregie zum Tenor herangewachsen

Seine internationale Karriere führt Ian Bostridge regelmässig in die wichtigsten Konzertsäle der Welt und zu bedeutenden Festivals. Er war «Artist in Residence» am Wiener Konzerthaus, am Amsterdamer Concertgebouw und am Londoner Barbican Centre, zudem Protagonist einer «Perspectives»-Reihe in der New Yorker Carnegie Hall, und er gastierte u.a. bei den Festspielen von Salzburg, Edinburgh, München, Wien und Aldeburgh. Auch seine Opernauftritte an renommiertesten Häusern widerspiegeln die grosse Bandbreite eines Repertoires, das von der frühen Barockmusik bis in die zeitgenössische Moderne reicht.

Das alles klingt grandios und ist es auch – aber alles andere als selbstverständlich. Denn Ian Bostridge, als Arbeitersohn in London geboren, hat zwar studiert, aber nicht Musikwissenschaft und Gesang, sondern Geschichte und Philosophie. Nach seiner Promotion 1990 war er als post-doctoral Fellow am Corpus Christi College in Oxford tätig. In die Welt der Musik kam er als Quereinsteiger: «Ich habe Musik nie an einer Universität oder Musikhochschule studiert.» Ohne eine sängerübliche musikalische Grundausbildung wuchs der promovierte Historiker sozusagen in Eigenregie zum Tenor heran, und erst mit dreissig stieg er voll in die Gesangskarriere ein.

Von Haydn zu Vaughan Williams

Im Zentrum seiner sängerischen Tätigkeit steht seit Anbeginn der Lied- und Konzertgesang. Am 25. September 2016 gibt Ian Bostridge seinen Einstand als «Artist in Resonance» in der Saison 2016/17. Begleitet wird er vom Winterthurer Streichquartett und dem Pianisten Ulrich Koella, und alle haben sie ein einzigartiges Kammermusikprogramm zusammengestellt. Zwei Streichquartetten von Haydn – darunter das berühmte «Sonnenaufgang»-Quartett – werden zwei aparte Liederzyklen des britischen Komponisten Ralph Vaughan Williams gegenübergestellt: «On Wenlock Edge» für Tenor, Streichquartett und Klavier sowie «Along the Field» für Tenor und Violine.

Ian Bostridge

Die Termine

25. September 2016, Hauskonzert
Werke von Ralph Vaughan Williams

30. November 2016, Abonnementskonzert
Benjamin Britten "Les Illuminations"

4. Dezember 2016, Hauskonzert
Hans Zender "Schuberts Winterreise"

21. Januar 2017, Hauskonzert
Werke von Schumann, Schubert u.a.

9. April 2017, Freikonzert
Gustav Mahler "Rückert-Lieder" und "Lieder eines fahrenden Gesellen"

10. April 2017, Musikkollegium im St. Peter, Zürich
Gustav Mahler "Rückert-Lieder" und "Lieder eines fahrenden Gesellen"

 

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