Saisonthema 2017/18 "Es werde Licht"

 

"Möge das Licht der Aufklärung die Finsternis der Unwissenheit vertreiben."

Prägnanter und beeindruckender als Haydn in seiner „Schöpfung“ hat wohl niemand den Übergang vom nächtlichen Dunkel zu dem die Welt erhellenden Licht in Musik gesetzt. In nur eineinhalb Takten verwandelt sich das in suchenden Harmonien und in dumpfem c-Moll endende Chaos in einen gleissenden C-Dur-Akkord, mit dem Orchester und Chor das Hervorbrechen des neu erschaffenen Lichts begrüssen. Mit dieser musikalischen Huldigung des Wunders der Schöpfung schuf Haydn eine folgenreiche, der philosophischen Gedankenwelt des ausgehenden 18. Jahrhunderts geschuldete Metapher, nach der das Licht der Aufklärung die Finsternis der Unwissenheit vertreiben sollte. Zahlreich sind die kompositorischen Auseinandersetzungen mit den faszinierenden Phänomenen Nacht und Licht, denen wir in der Saison 2017/18 nachspüren wollen.

Den programmatischen Saisonauftakt setzt Chefdirigent Thomas Zehetmair einerseits mit Beethovens 5. Sinfonie, die unseren Schwerpunkt zu dessen Schaffen einleitet, andererseits mit „Nächtlicher Ritt und Sonnenaufgang“ von Sibelius, in der die Einsamkeit und Ängste eines Reiters von der Morgendämmerung erlöst werden. Philippe Hersant hingegen führt uns mit „Dreamtime“ in jenen Zwischenbereich von Nacht und Traum, den auch Mendelssohn in seiner Ouvertüre zum „Sommernachtstraum“ auslotet, indem er in die geheimnisvolle Märchenwelt der Elfen eintaucht.

Schönberg verwandelt in „Verklärte Nacht“ ein Gedicht Dehmels in absolute Musik, Debussy bringt in „Nocturnes“ alle Eindrücke, die in diesem Wort enthalten sein können, zum Klingen. Schoecks „Notturno“ schildert in dunklen Tönen Trauer, Einsamkeit und Verzweiflung und lässt den Bedeutungswandel erahnen, den die Nacht zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfuhr, während Elgar in seinem „Chanson de nuit“ und „Chanson de matin“ noch einmal Dunkelheit und Licht aufeinanderfolgen lässt.

Zentral für unseren Saisonblick auf „Es werde Licht“ sind die Werke Beethovens. Das für ihn charakteristische „per aspera ad astra“, im Deutschen frei übersetzt mit „durch Nacht zum Licht“, prägt nicht nur seine Sinfonien, von denen wir  – neben der schon erwähnten „Schicksals-Sinfonie“ –  die „Eroica“, die Vierte, sowie die „Pastorale“ zur Aufführung bringen werden, sondern ist für sein gesamtes Schaffen bestimmend. Die integrale Aufführung seiner zehn Violinsonaten bildet eine faszinierende Reise durch seine frühen bis mittleren Schaffensjahre. Der kammermusikalische Bogen spannt sich vom frühen Septett in Es-Dur op. 20, nach dessen Premiere Beethoven gesagt haben soll „Das ist meine Schöpfung”, bis hin zum letzten abgeschlossenen Werk des Komponisten, dem F-Dur-Streichquartett op. 135. Sein Klavierkonzert op. 15, das Violinkonzert op. 61 sowie die Ouvertüren «Coriolan» und «Prometheus» runden diesen Schwerpunkt ab.

Zurück