

Nach dem preisgekrönten Erfolg von «Fealan – Winterthur schreibt eine Oper» folgt nun der zweite Streich: Auf Initiative des Musikkollegiums Winterthur und in Zusammenarbeit mit dem Theater Winterthur kreierten 750 Kinder und Jugendliche eine zweite Oper «Das Verbotene Land».
Die Idee für eine zweite Oper hatte Matthijs Bunschoten, der Jugendbeauftragte des Musikkollegiums Winterthur, bereits im Sommer 2009: «Mir war klar, dass wir es nicht bei diesem einen Versuch lassen sollten. Zu Vieles blieb bei ‚Fealan’ sozusagen noch im ‚Experimentierstadium’; man hätte das noch weiter entwickeln können.» Dazu sollte die zweite Winterthurer Oper «Das Verbotene Land» nun alle nur wünschbare Gelegenheit bieten. «Nur zwei Stunden vor der Premiere des ‚Fealan’-Dokumentarfilms traf ich Andreas Nick, den musikalischen Leiter von ‚Fealan’, und fragte ihn, ob er an einem zweiten Winterthurer Opernprojekt interessiert wäre. Er sagte spontan zu, und so konnten wir das der Öffentlichkeit gleich bei der Filmpremiere mitteilen.»
Orient und Okzident – grenzübergreifend
Dann ging es Schlag auf Schlag. In Winterthur wurde eine Kinderkompositionsklasse gegründet; an einer Schule in Beirut bestellte man ein Opernlibretto. Wobei dieser grenzübergreifende Kontakt über Jennifer Kay Aynilian, Hornistin im Musikkollegium Winterthur, hergestellt werden konnte: Ihr Vater stammt aus Beirut. «Im Januar 2010 traf das Opernlibretto bei uns in Winterthur ein – unleserlich für die meisten, weil es im armenischen Alphabet geschrieben ist.» Die Idee von zwei Welten, Orient und Okzident, knüpft übrigens an «Fealan» an, wo ebenfalls zwei getrennte Welten, die dank den Kindern zusammenkommen, das Werk prägen.
750 Kinder und Jugendliche waren insgesamt am neuen Opernprojekt beteiligt. «Nicht alle haben sich aufs Mal gemeldet», sagt Matthijs Bunschoten, «denn das Projekt lief ja über zweieinhalb Jahre. Die meisten Kinder waren in Gruppen oder Klassen eingeteilt und erarbeiteten so je einen der unzähligen Aspekte einer Oper: Musik komponieren, Bühnenbilder zeichnen, dem Libretto eine definitive Form geben, Chorsingen, Maskenbildnerei und so weiter – das war eine immense Arbeit.» Alle diese thematischen Bereiche wurden der Reihe nach ausgeschrieben: per Inserat und per Plakat, per Mail oder Schul-Newsletter. «So entstand ein immer grösseres Netzwerk von Jugendlichen und Kindern; zum Teil wirkten ganze Schulhäuser mit, zum Beispiel das Altstadt-Schulhaus oder die Maurerschule, eine städtische Schule für cerebral gelähmte Kinder.»
Total 52 Musikstücke
Parallel dazu stellten Andreas Nick und Matthijs Bunschoten ein Team von 18 professionellen «Coaches» zusammen, welche die einzelnen Kindergruppen kompetent und fachgerecht bei ihren Aufgaben betreuten. «Zum Beispiel hat Andreas Nick als künstlerischer Leiter des ganzen Opernprojekts ab Februar 2010 die Kinderkompositionsklasse ‚trainiert’. Unter seiner Anleitung konnten sich die jugendlichen Komponisten mit der Thematik von ‚Das Verbotene Land’ auseinandersetzen und sich anschliessend für ihre eigentliche Arbeit eine bestimmte Szene, eine bestimmte Figuren-Gruppe – zum Beispiel Tiere – oder ein Lied oder einen Tanz zum Komponieren aussuchen.» Letztendlich entstanden so 52 Musikstücke, eine Ouvertüre mit inbegriffen.
Selbstverständlich erforderte diese Umsetzung einen enormen logistischen Aufwand. «350 Kinder auf einer Bühne – das ist viel, sehr viel», betont Matthijs Bunschoten. Und eine Tieroper stellt ganz besondere Ansprüche: «Wenn man einen Kostümbildner zum Verzweifeln bringen möchte, dann am besten mit einer Tiergeschichte», meint der Ausstatter Uli Schulz; «Tiere sind sehr schwierig zu kostümieren.» Doch Schritt für Schritt wurden die anfallenden Probleme angegangen, und wichtige Entscheide wurden regelmässig im Team in sogenannten Planungssitzungen besprochen.
Castings – Workshops – Proben
Schier unglaublich ist der immense Aufwand, den die Kinder und Jugendlichen leisteten, in speziellen Workshops, aber auch während der normalen Schulzeit sowie zu Hause. Die Schauspiel-Truppe (24 Kinder und Jugendliche), die Dance Company (14 Mitglieder) sowie das Bühnenmusik-Ensemble «Teatrino» wurden anhand von regelrechten Castings ausgewählt, und sie trainierten dann wöchentlich sowie während der Endproben jeden Tag. Die künstlerische Koordination lag in den Händen von Andreas Nick, die organisatorische Koordination – alles zur rechten Zeit am richtigen Ort – bei Matthijs Bunschoten. «Ich bin sehr glücklich mit unserem Team», sagt er nun kurz vor der Uraufführung, «und ich möchte allen einen riesigen Kranz binden für diesen wunderbaren kreativen Einsatz!»
Werner Pfister
Musik: von 18 jugendlichen Komponistinnen und Komponisten
Auf der Bühne: 350 Winterthurer Kinder
Projektleitung: Matthijs Bunschoten
Künstlerische Gesamtleitung, Leitung Kompositionsklassen: Andreas Nick
Regie: Roland Spohr
Ausstattung: Ulrich Schulz
Choreographie, Coach Tanz Company: Ana Tajouiti
Coach Libretto: Thomas Guglielmetti
Coach Schauspieltruppe, Schauspiel Schulklassen: Katrin Sauter
Leitung Kinderchöre: Manuela Roth
Coach junge Bühnenmusik Ensemble «Teatrino»: Severin Scheuerer
Schauspiel Schulklassen: Jacqueline Moro
Schauspiel Schulklassen: Vera Bryner
Tanz Schulklassen: Christina Thoma
Improvisation Ensemble «Teatrino»: Barblina Meierhans
Dokumentarfilm: Jens Neubert, Syquali Multimedia AG
Coach PR-Gruppe: Cornelia Königslehner
Begleitung PR-Gruppe: Stefan Kleinberger
Assistenz Projektleitung: Madeleine Flury
Kostümassistenz: Ruth Beerli
Regieassistenz: Camille Bosshard
Musikkollegium Winterthur
Leitung: Marc Kissoczy
Durch die Medienpartnerschaft mit dem Stadtanzeiger wurde es vier Jugendlichen ermöglicht professionell über die Jugendoper zu berichten. Die Artikel von Christina Nikolendzic, Fabian Uetz, Nina Thöny und Jonas Zeller werden am 30. April, 8. Mai und 15. Mai im Winterthurer Stadtanzeiger erscheinen.
